Unterstützung der augenärztlichen Therapie im täglichen Leben

Liebe Patientinnen und Patienten,

Hier erfahren Sie hilfreiche Details, wie Sie durch Ernährung und Bewegung die augenärztliche Therapie verstärkt unterstützen können.

Ernährung und Lebensgestaltung

1. Körperliche Aktivität

Empfehlung:
Erwachsene pro Woche 150-300 Min moderate Aktivität oder 75 -150 Min mit stärker körperlicher Aktivität (Laufen/ Geräte)

(Studie an 141 Patienten im Alter (Mittel) von 65 Jahren bei denen die körperliche Aktivität im Zusammenhang mit dem Gesichtsfeld gemessen wurde. Im Schnitt waren die Patienten 148 Min /5.613 Schritte unterwegs. Mit jeden zusätzlichen 1.000 Schritten wurde im Gesichtsfeld 0,007 dB weniger an Ausfällen registriert) (Ref. 1).

Weiterer positiver Nebeneffekt ist die geringere Sterblichkeit.

Vorsicht Kraftsport und Yoga!

Glaukompatienten sollten Pressmanöver und Übungen mit Kopf nach unten (z. B. Yoga „ herabschauender Hund“) meiden. In der Yogaposition wurden Augendruckanstiege bis 30 mmHg gemessen (Ref. 1).

2. Meditation mit positiver Wirkung

In einer Studie bei Patienten, bei denen eine Glaukomoperation geplant war, erzielte eine Achtsamkeitsmeditation über 3 Wochen einen Rückgang des Augendruckes im Durchschnitt um 5 mmHg.

Ähnliche Effekte sind vom autogenen Training beschrieben (Ref. 1).

3. Trinkgewohnheiten

Die Häufigkeit einer Glaukomdiagnose und dem Genuss von Kaffee, grünem Tee und Softdrinks (National Health and Nutrition Examination) wurde untersucht:

  • Min 1 Tasse grünem Tee am Tag reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Glaukomdiagnose um 74%.
  • Patienten mit Prädisposition und überdurchschnittlichem Kaffeekonsum ist der Augendruck höher und es tritt häufiger ein Glaukom auf.

4. Ernährung
Von den Vitaminen wird Vit B3 und in grünem Blattgemüse (Kalzium, Magnesium, B Vitamine, Aminosäuren, Eisen, Vit A,Vit C) enthaltende Wirkstoffe ein schützender Effekt zugeschrieben (Ref. 1).

Nahrungsergänzung und zerebrale Neurodegeneration bei Offenwinkelglaukom

In dem Artikel von Blumröder (Ref 2) werden Empfehlungen von Prof Erb aus Berlin zusammengefasst.

Grundlage:
Glaukompatienten haben einen lokal und systemisch erhöhten oxidativen Stress d.h.dass es zu einer Vermehrung von freien Radikalen kommt; dieses sind Sauerstoffarten, die besonders reaktionfreudig sind und in der Lage sind, Zellen und wichtige Zellbestandteile zu schädigen. Ausgelöst wird dieser oxidative Stress durch eine Menge Faktoren, dazu zählen: UV-Srahlung, Medikamente, Alkohol, Rauchen, Stress, chron. Erkrankungen, (wie auch das Glaukom eine darstellt). Dieser entzündliche Prozess fängt auf Zellebene an (Mitochondrien) und führt auch zu einer Entzündungsreaktion, die den Abfluss des Kammerwassers im Trabekelwerk stört und somit zum Glaukom führen kann; weiterhin sind auch die Nervenfasern im Auge von dem Entzündungsprozess betroffen.

Therapie – Augendrucksenkung
Die Augendruckreduktion ist wichtig, jedoch nicht der komplett schützende Mechanismus. Die Auswertung zeigt, dass 7 Patienten behandelt werden müssen, um bei einem Patienten keine Glaukomprogression (number needed to treat schätzt den Erfolg einer Therapie ab) zu erreichen d.h. dass trotz Therapie 6 von 7 Patienten an einem Glaukom leiden.

Prof. Erb betont, dass diese eher ernüchternden Daten zu wenig hinterfragt werden und befürwortet einen begleitende Therapie mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Die Nahrungsergänzungsmittel sollen den oxidativen Stress reduzieren und immunologische Prozesse positiv beeinflussen, d.h. dass sie einer Entzündung entgegenwirken sollen. Dazu gehören seines Erachtens Wirkstoffe wie Coenzym Q10, alpha Liponsäure, pflanzliche Polyphenole (z. B. Walnuss, Trauben, Tee, Pfefferminze) oder Vitamin D. Neuronale Prozesse werden seiner Meinung nach durch Curcumin, Coenzym Q10 oder Citicoline beeinflusst.

Wichtig ist bei jeder Substitution, dass eine ausgewogenen Ernährung dadurch nicht ersetzt wird.

Es gibt mittlerweile sehr gute Nahungsergänzungsmittel auf dem Markt, die viele dieser wertvollen Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, etc. beinhalten.

Mediterrane Kost oder vegan ernähren

Gerade eine mediterrane Diät wird bei verschiedensten Erkrankungen (z. B. Herzerkrankungen und Makuladegeneration) als positiv beschrieben. Diese kann als pflanzenbasierte Ernährung angesehen werden, die nur wenige tierische Lebensmittel beinhaltet. Der gelegentliche Fischkonsum wird ebenfalls als positiv beschrieben und der positive Effekt von Alkohol ist nur in geringem Maße zu empfehlen. (12 g je Woche- z. B. 5 x 0,3 l Bier).

Mediterrane Ernährung oder vegan?

Vergleich mit einer fettarmen veganen Diät

Eine Autorengruppe des Physicians Committee for Responsible Medicine (Ref 3) gingen der Frage nach, wie sich eine fettarmvegane Diät im Vergleich zur mediterranen Ernährung auf das Körpergewicht und auf kardiometabolische Risikofaktoren auswirkt. Die vegane Diät bestand dabei aus Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten und Obst, vermied zugesetzte Fette und wurde ergänzt um eine Supplementierung von Vitamin B12; 75 % des Energiegehalts kam aus Kohlenhydraten, 15 % aus Protein und 10 % aus Fett. In einer randomisierten, doppelblinden Cross-Over-Studie mit anfänglich 62 Teilnehmern wurde über jeweils 16 Wochen die mediterrane Ernährung mit dieser fettarmen veganen Kost verglichen. Die Studienteilnehmer waren übergewichtige Erwachsene. Für beide Diätphasen gab es keine Vorgaben bezüglich Energieaufnahme. In der Praxis lag die berichtete Energieaufnahme während der veganen Diätphase dennoch um täglich 500 kcal unter dem Vorstudienniveau, während sie sich in der mediterranen Diätphase nicht signifikant veränderte. Die Studie brachte folgendes Ergebnis: [18]

  • Beide Kostformen verringerten den Blutdruck, die mediterrane mit 6,0 mmHg mehr als die vegane mit 3,2 mmHg.
  • Die mediterrane Kost führte zu keinem Gewichtsverlust, während die vegane Kost im Schnitt zu -6 kg Gewichtsverlust führte.
  • Die vegane Kost führte zu 3,4 kg Fettverlust und 315 cm³ weniger Viszeralfett.
  • Während die mediterrane Kost keinen Einfluss auf den Cholesterin-Spiegel hatte, führte die vegane Kost zu −18,7 mg/dL weniger Gesamtcholesterin und −15,3 mg/dL weniger LDL-Cholesterin.

Beide Ernährungsformen unterstreichen die Erhöhung des pflanzlichen Anteils in der Ernährung und eine Reduktion der tierischen Fette.

Ernährung und die Darmflora (Mikrobiom)

Die Ernährung ist besonders wichtig für die Entwicklung einer breiten Darmflora (Mikrobiom).Patienten mit einer vorwiegenden Fast Food Ernährung hatten weniger unterschiedliche Bakterien als eine Jäger und Sammler Ernährung (z. B. Hadza in Nord Tansania) mit Schwerpunkt auf Gemüse, Beeren, Honig und gelegentlichem Wildfleisch (Ref 4).

Autoimmune Erkrankungen (z. B. Uveitis = Entzündung im Inneren des Auges, die von der Gefäßhaut ausgeht) können durch die Ernährung provoziert und am Laufen gehalten werden. Im Tiermodell wurde eine molekulare Mimikry zwischen einem Antigen des Kapsids des Rotavirus, dem alpha Casein der Kuhmilch und dem retinalen S Protein beschrieben, das bedeutet, dass körpereigene Zellen, sogenannte T-Zellen, die für die Immunabwehr zuständig sind, sich gegen körpereigenes Gewebe richten und dieses schädigt. Damit könnte eine Magen-Darmentzündung mit einem Rotavirus eine Uveitis durch das Milcheiweiss weiter unterhalten werden (Ref. 5).

Der immunologische Aspekt einer „Darm – Hirn Achse“ (das Auge als Teil des Gehirns zu betrachten) gewinnt an Interesse und die Erlanger Forschungsgruppe wird gerade von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Hier wurde z. B. auf den Zusammenhang chronischer Darmerkrankungen und M Parkinson hingewiesen (Ref 6).

Zusammenfassend kann jeder Patient durch seinen Lebensstil Erkrankungen mit beeinflussen. Sich alleinig auf z. B. tensioregulierende Medikation beim Glaukom zu verlassen ist zu kurz gedacht. Die zukünftige Forschung muss mehr auf den Aspekt der Lebensstilprävention von Erkrankungen abheben.

Referenzen

(1)R.D Gerste. AAD Chicago 2022. Z prakt Augenheilkunde. 43: 525-527 (2022)
(2)(U. Blumröder. Ganzheitlicher Blick auf das Glaukom. Z prakt Augenheilkunde. 43: 529-531 (2022))
(3)Neal D. Barnard, Jihad Alwarith, Emilie Rembert, Liz Brandon, Minh Nguyen: A Mediterranean Diet and Low-Fat Vegan Diet to Improve Body Weight and Cardiometabolic Risk Factors: A Randomized, Cross-over Trial. In: Journal of the American College of Nutrition. 5. Februar 2021, ISSN 0731-5724, S. 1–13, doi:10.1080/07315724.2020.1869625, PMID 33544066.
(4)M. Hope-Ross, Eurotimes October 2019 Seite 29, Gut reaction- Research suggests that a healthy gut microbiome correlates with healthy eyes
(5)R. Klein. Viren und Autoimmunerkrankungen. Z prakt Augenheilkunde. 43: 508-521 (2022)
(6)Deutsches Ärzteblatt, Jg 120., Heft 1-2 9.Jan . 2023)

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